Kirchenkonzert

Viel gewagt - und alles gewonnen. Kirchenkonzert der Stadtkapelle in St. Peter und Paul

Ein Zeitungsartikel und Fotos von Ingbert Ruschmann

Bühl Anspruchsvolle, überwiegend klassische Melodien aus verschiedenen Epochen erklangen beim Adventskonzert der Stadtkapelle in der Stadtkirche Sankt Peter und Paul. Der große Kirchenraum mit seiner besonderen Akustik war am Sonntagabend ein vorzüglicher Rahmen, in dem die mehrstimmigen Akkorde vieler Kompositionen in besonderem Maße zur Geltung kamen.

Trotz ungemütlicher Wetterlage waren nahezu 700 Besucher in die Stadtkirche gekommen. Die Bühler mögen ihre Stadtkapelle, das taten sie mit anerkennendem Applaus mehrfach deutlich wahrnehmbar kund. Sie wertschätzen die Arbeit Ihres seit zehn Jahren in Bühl tätigen Stadtdirektors Rolf Hille und der aktuell 52 Musikerinnen und Musiker. Der Posaunist und Musiklehrer an der Musikschule in Ettlingen hatte ein vielseitiges Musikprogramm aufgelegt. Um die Stärken seines Orchesters deutlich herauszuarbeiten und die Vorzüge der einzelnen Stücke zu entfalten, hatte Hille mehr als die Hälfte der Literatur eigens für sein Orchester bearbeitet und Passagen musikalisch nachjustiert.

„Vier aus meiner Familie spielen hier mit“, betonte eine Besucherin kurz aus der ersten Reihe bevor der Vorsitzende, Albrecht Müller, in das Konzert einführte, erwartungsfroh.

Sobald die ersten Akkorde erklangen, verwandelte sich der gesamte Kirchenraum in einen großen Resonanzkörper, der insbesondere die feinen Harmonien zu einer bemerkenswerten Entfaltung kommen ließ. Kraftvoll, unter Führung des hohen Blechs, eröffnete das Orchester mit dem fanfarenartigen „Rondeau“ von Jean-Joseph Mouret das Adventskonzert. Mit der aus dem Barock stammenden Komposition des in den Konzertsälen als nicht gerade präsent geltenden Komponisten gelang den Akteuren ein stimmungsvoller Einstieg.

Als fester Bestandteil der Programmkonzepte beim Bühler Kirchenkonzert hat sich inzwischen das Spiel in kleineren und größeren Ensembles etabliert. Die Motivation von Rolf Hille, neben dem gesamten Orchester auch kleinere Gruppen Gelegenheit für eigens auf die geringe Anzahl von Akteuren abgestimmte Literatur interpretieren zu lassen, liegen auf der Hand: Mit der Begrenzung auf bestimmte Instrumentengruppen eröffnen sich zahlreiche neue Variationsmöglichkeiten bei der Gestaltung eines Konzertprogramms. Der Zuhörer entdeckt, bedingt durch die Charaktereigenschaften der jeweiligen Instrumente oder –Gruppen, verschiedene Klangfarben und erlebt das Musikprogramm als abwechslungsreiche und damit kurzweilige Interpretationen. Zu den Vorzügen dieser Spielform gehören auch positive Effekte für das musikalische Niveau des Orchesters. In kleinen Gruppen, wie beispielsweise beim achtköpfigen Klarinettenensemble, war jeder einzelne Akteur gefordert, es kam für eine ausgewogene Aufteilung des Satzes auf jeden Einzelnen an. Die Literatur beim „Choral“ und „Menuett“ von Wolfgang Amadeus Mozart verlangte deshalb eine gleichmäßige Besetzung aller Stimmen. Die Saxophonisten, von Hause aus wegen der Bauart ihrer Instrumente kerniger unterwegs als die Klarinettisten, bestachen bei „Irish Ho-Hoane“ und „A Toy“ durch eine gut austarierte Dynamik.

Ein regelrechtes Fest für das hohe Blech waren zwei Intraden des Trompeten, -Posaunen- und Bass-Ensembles. Das vom tiefen Blech begleitete musikalische Zwiegespräch von Andreas Kuderer und Mario Held auf ihren Trompeten gehörte in dem Stück von Samuel Scheidt zu den Höhepunkten des Konzerts. Die Komposition velangte von den Solisten eine gehörige Portion Schnelligkeitsausdauer bei den achtelläufigen Tonfolgen ab. Trompeterkollege Alexander Schaufler hingegen zeigte sich in „The Prayer“ als Meister der klangschönen Melodie. Den reinen und nebengeräuschlosen Tonfolgen des Vizedirigenten der Stadtkapelle hätte man gern noch länger gelauscht. Das galt auch für die vier kleinen, charakterlich höchst variantenreiche Solostücke aus der „Sonate g-Moll“ von Jean Baptiste Loeillet, die Dirigent Rolf Hille ohne jegliche Begleitung auf seiner Posaune intonierte. Nach Leonhard Cohen’s „Halleluja“ und weiteren Ensemble-Stücken des tiefen Blechs avancierte die Interpretation der „Toccata d-moll“ zum absoluten Höhepunkt des Adventskonzerts. Rolf Hille und sein Blasmusikorchester haben mit der Uraufführung des wohl bekanntesten Orgelstücks viel gewagt – und alles gewonnen. Stehende Ovationen belohnten die Musikerinnen und Musiker für eine eindrucksvolle Präsentation der eigenen Leistungsfähigkeit.